Vorankündigung: Elli oder Die versprengte Zeit

Ein neuer donauschwäbischer Roman thematisiert in weitem zeitlichem Rahmen das friedliche multiethnische Zusammenleben im Banat und den unerhörten Zivilisationsbruch Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Autor Helmut Erwert (Mehr unter diesem Link: https://regiowiki.pnp.de/wiki/Helmut_Erwert) ist in Weißkirchen (Bela Crkva) geboren, hat als Kind unvergessliche Eindrücke dieser multikulturellen Stadt und einen unvorstellbar abrupten Abbruch erlebt. Ein ganzes Jahrzehnt hat er der Rekonstruktion der unglaublichen Vorgänge gewidmet, zahlreiche Interviews mit damals erwachsenen Zeitgenossen festgehalten, sich in die einschlägige historische und belletristische Literatur eingearbeitet, dann erst Inhalt und Text seines Romanprojektes formuliert. Bei aller belletristischen Freiheit im Roman kommt es ihm auf die Authentizität seiner Darstellung an.

Zitat des Autors aus dem Nachwort: „Eine Kindheit in einer historisch gewachsenen multiethnischen Stadt prägt einen Menschen fürs ganze Leben. Der kulturelle Reichtum der gesellschaftlichen Gemengelage meiner Geburtsstadt, heute amtlich ‚Bela Crkva‘ genannt, ihre zivilisatorische Farbigkeit, ihre levantinische Exotik vor den Umbrüchen 1941 und 1945 fesseln mich bis heute. Vor 300 Jahren als ‚Weißkirchen‘ gegründet, später zur ‚Königlichen Freistadt‘ der österreich-ungarischen Monarchie geworden, findet sich in unserer Zeit kaum mehr eine Person der Nachkommenschaft dieser ursprünglichen Mehrheit und der jüdischen und exilrussischen Minderheit in der Stadt. Dass die heutigen Bewohner von diesem ungeheuren gesellschaftlichen Umbruch kaum Kenntnis haben, lässt auf Ungeheuerliches schließen.“

Vom Ungeheuerlichen, das sich hier ereignete, handelt der Roman in seinen wesentlichen Teilen. Im Nachwort fährt der Autor fort: „ … Die Schrecklichkeit jenes Zivilisationsbruches, die Dramatik der Entwicklung braucht im Roman nicht künstlich gesteigert zu werden, sie ergibt sich aus den historischen Fakten der Zeit. Dissonanz oder Toleranz, Ausgrenzung oder Integration, Kernprobleme der Gesellschaft, haben die Menschheit seit Urzeiten begleitet. Sie sind Hauptthemen dieses Romans und erfordern, immer neu reflektiert zu werden.“

Nach Drucklegung des 300-seitigen Werkes werden wir hier nochmal genauer auf den Roman zurückkommen.

Der Verlag kündigt das Erscheinen des Buches in seinem Herbstkatalog mit folgendem Eintrag an:

Den Haag: Der Internationale Strafgerichtshof verfolgt mutmaßliche Kriegsverbrecher aus dem ehemaligen Jugoslawien. Unter Verdacht steht auch Tihomir Zivkovic, in dessen Besitz sich mehrere Briefe einer gewissen Elli befinden. Wer aber ist diese Frau, deren Geschichte ein pensionierter Brüsseler Diplomat im Auftrag des Gerichtshofs klären soll?

Zu landespatriotisch-jugoslawischer Gesinnung erzogen, wächst die junge Elli Gabor in den 1920er Jahren in der vorindustriellen, multikulturell geprägten Kleinstadt Bela Crkva auf. Ihre humane Offenheit wird überlagert von nationalistischer Engstirnigkeit und vom Krieg diktierter Monotonie. Ausgeliefert an ein höheres Geschick, sieht sie sich mit existenziellen Lebensfragen der Identität und der Selbstbehauptung konfrontiert.

Der Autor:
Helmut Erwert (geb. 1933 in Weißkirchen/Bela Crkva) studierte Geschichte, Germanistik und Anglistik an der Maximilians-Universität München. Er unterrichtete an bayrischen Gymnasien, in den USA und in Spanien. Zu seinen Publikationen gehören Lehrbücher, Beiträge zur südostdeutschen Literaturgeschichte und zur Regionalgeschichte seiner neuen Heimatregion Straubing-Bogen.

2017-06-20
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