Kindertagebuch über Vernichtungslager in Jugoslawien

“Tito ist euer Vater, der Staat ist eure Mutter” – mit dieser kommunistischen Indoktrination wurden in Jugoslawien viele der 7000 donauschwäbischen Kinder konfrontiert, die ab 1946 – weil elternlos und rigoros von ihren Geschwistern getrennt – in staatliche Kinderheime gesteckt worden waren. Dort unterzog man sie einer systematischen ethnischen Umerziehung, der Gebrauch der deutschen Sprache war strengstens verboten. Zu diesem Zeitpunkt waren jene Kinder allerdings schon schwer traumatisiert, weil sie unvorstellbare Grausamkeiten erlebt hatten. Bereits bis 1946 waren in den Vernichtungslagern der Tito-Partisanen 6000 deutsche Kinder umgekommen.

Diejenigen, die überlebten, hatten schwer zu tragen an dem, was sie mit ansehen mussten. Hannes Fellner schildert in einem Interview mit der Donauschwäbischen Kulturstiftung das Schicksal seiner Mutter (Jahrgang 1935), deren Großeltern im Lager verhungerten, während die Mutter – also Fellners Oma - 1946 als Vergeltung für die Lagerflucht einer anderen Person erschossen wurde (das Interview siehe: “Das zahlt der Bürgermeister” - Mit dem Rad auf der Suche nach den Wurzeln unter dem Menüpunkt “Aktuelles” auf unserer Internetseite). In Jugoslawien waren zwischen 1944 und 1948 sämtliche heimatverbliebene Donauschwaben – ausgenommen waren lediglich aktive Partisanenkämpfer und Deutsche, die in Mischehen lebten - in kommunistischen Lagern interniert - vorwiegend Greise, Frauen und Kinder, waren doch die Männer im wehrfähigen Alter beim Militär. Von diesen 170 000 Personen starben 51 000.

In dem nun erschienenen Tagebuch der Maria Schröder beschreibt ein neunjähriges Mädchen aus Werschetz (Banat) wie ihr Vater brutal festgenommen wird und wenig später erschossen aufgefunden wird. Später liest man wie ihre Mutter und Großmutter im Vernichtungslager Rudolfsgnad verhungern, wie sie als Waisenkind in ein serbisches Kinderheim eingewiesen wird und erst als 18-Jährige im März 1953 in Österreich ankommt, weil Jugoslawien jahrelang die Existenz der donauschwäbischen Kinder leugnete. Man spürt, wie sich dieses Kind im jeweiligen Moment fühlte und es friert einen, wenn man dessen Stationen mitverfolgt.

Bibliographische Daten:
“Wird die Sonn’ noch für uns scheinen? …”
Tagebuch Schröder Maria 1943-53.
72 Seiten, 12 Euro zzgl. Versandkosten.
Zu beziehen über: Maria Kaindlstorfer, Liliengasse 12, A-4050 Traun, Tel. +43-7229-67854

2013-11-22